Zeit/Time:19:00 17th. June

Ort/Location: Forum, Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

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PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Leben in Deutschland vergrößert, wahrscheinlich paradoxerweise, mein Interesse an den verschiedenen Traditionen in Vietnam. Vor dem Umzug nach Europa habe ich schon lang traditionellen Gesang gelernt beziehungsweise die Dan Bau und Erhu gespielt, die in der traditionellen vietnamesischen Musik häufig verwendet werden.
Aber nur in Deutschland vertiefe ich mich immer mehr in die verschiedenen Facetten meiner kulturellen Wurzeln, entdecke immense Inspirationsquelle und schätze immer mehr ihren Sinn und Zerbrechlichkeit. Bei meinem für einen Performer und Live- Elektronik 2019 komponierten Musikwerk ,,Dark Alleys” habe ich die Verbindung zwischen den Toten und den Lebenden sowie die Rolle und Bedeutung von Ritualen widergespiegelt. In der vietnamesischen religiösen Praxis wird diese Verbindung reflektiert und jeden Monat werden die Rituale mit speziellen Klängen, Bewegungen, Objekten und Atmosphären durchgeführt. Je mehr ich über die vietnamesischen religiösen Themen recherchierte und nachdachte, desto mehr war ich fasziniert. In unserem Glauben unterstützen sich beide Welten – die der Lebenden und die der Toten – gegenseitig und arbeiten zusammen, um eine bessere Zukunft zu schaffen. Nachdem das Werk fertiggestellt und mehrmals aufgeführt geworden war, konnte ich nicht aufhören, über den Reichtum der Geschichten und Rituale nachzudenken, die ich (wieder)entdeckt hatte. Deshalb habe ich beschlossen, diese Themen zu erweitern und in ein größeres und umfassenderes Projekt einzubinden – etwas, das vom Fest des hungrigen Geistes inspiriert wurde.
Das Fest des hungrigen Geistes ist ein traditionelles taoistisches und buddhistisches Fest, das im Juli in mehreren ostasiatischen Ländern gefeiert wird. Es wird geglaubt, dass die Reiche des Himmels, der Hölle und der Lebenden im Monat geöffnet sind. Die Rituale werden durchgeführt, um die Leiden der Toten zu lindern. Ein wichtiger Bestandteil des Geistermonats ist die Verehrung der Toten, wobei sich die Pietät traditionell auf die Ahnen erstreckt. In diesem Monat bringen die Völker rituelle Speisen dar, singen Hymnen, verbrennen Weihrauch und Räucherpapier (eine Pappmaché- Form von materiellen Gegenständen wie Kleidungen, Geld, Häuser, Autos usw.).

Die Ursprungsgeschichte dieses Festes stammt aus der altindischen Mahayana-Schrift, des sogenannten Yulanpen oder Ullambana Sutra. Darin erfährt die Figur des Maudgalyayana, dass seine verstorbene Mutter im Reich der hungrigen Geister wiedergeboren wurde. Aus Mitgefühl für seine Mutter brachte er ihr Reis, aber als ein Geistwesen war sie nicht in der Lage, den Reis zu essen. Buddha erklärte ihm, wie er die derzeitigen und verstorbenen Eltern helfen kann, indem er zu den Götter Essensgaben anbietet und Rituale durchführt. Der Reichtum und die Vielfalt der im Festival durchgeführten Aktivitäten haben meine Fantasie beflügelt sowie den Weg für mein multimediales Tanztheaterstück geebnet. Was kann für eine bessere Richtung geben, um seine Atmosphäre neu zu erfinden und einige Teile davon ins Spotlight zu rücken, als durch die Kombination von Musik, Bewegung, Klang, Bildern und Licht?

In meinem Projekt habe ich mich für eine vierteilige Struktur entschieden, die auf den verschiedenen Aktivitäten der Feierlichkeiten basiert.
1) Opening the gates of Hell – für Performer und Live-Elektronik
Der Performer ist gleichzeitig der Musiker, der ein recht seltsames Instrument spielt: die zwei Shinais (Bambusschwerter) erzeugen Schwingungen, die durch Kontaktmikrofone verstärkt werden. Diese Klänge werden wiederum von dem hinter der Bühne sitzenden live- elektronischen Musiker:innen stark bearbeitet. Das Zusammenspiel der rituellen.

Bewegungen, Klänge und Lichter öffnet die Pforten der Hölle und lädt die mittellosen Geister ein, sich der menschlichen Welt anzuschließen.

2) The Chant – für Tänzer:innen, drei Stimmen, zwei traditionellen vietnamesischen Instrumenten und Elektronik
Jede Stimme erzählt eine andere Geschichte und spricht die Geister auf ihre eigene Art und Weise – mit Ehrfurcht, Hoffnung oder Angst. Hier habe ich mich auch von der großen Hungerskrise in Vietnam im Jahr 1945 inspirieren lassen. Aber wie bereits erwähnt, arbeiten sowohl die Lebenden als auch die Toten zusammen, um eine bessere Zukunft zu schaffen. Deshalb besteht das Hauptziel des Gesangs darin, den hungrigen Geistern zu helfen und sie
in wohlwollende Geister zu verwandeln. Die Perspektive der Performance ist die der Welt der Lebenden und der Mühe, den Verstorbenen bei ihrer Reise und Metamorphose zu helfen. Die tonale Grundlage dieses Teils ist von den in der traditionellen Musik verwendeten mikrotonalen Skalen abgeleitet.


3) Receiving the offerings – für Tänzer:innen, drei Stimmen, zwei traditionelle vietnamesische Instrumente und Elektronik

Die Tänzer:innen, die die Geister darstellen, interagieren und tanzen mit den aus Papier hergestellten Opfergaben und reagieren auf die Gesänge und Gebete der Lebenden. Im Gegensatz zum vorherigen Teil ist dies die Perspektive der Verstorbenen, der Hungernden, der Verlorenen und der Gestörten.


4) Closing the gates of Hell – für Tänzer:innen, zwei traditionelle vietnamesische Instrumente und Elektronik
In einem Strudel der Gefühle empfinden sowohl die Lebenden als auch die Toten Bedauern, Trauer, Glück, Frieden – viele komplexe Emotionen, wenn einige Geister wieder in den Himmel aufsteigen, andere aber nicht. Die Tore werden geschlossen, und die Welten sind wieder getrennt. Die Übergänge zwischen den Segmenten werden durch Perkussionseinlagen eingeläutet. Auf der technischen Seite werden die Tänzer:innen mit Sensoren ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, den Klang und das Bild zu beeinflussen, und der Ton wird verräumlicht, was die fließenden Grenzen zwischen unserer und der unsichtbaren Welt darstellt. Alle vier Ebenen auf der Bühne – Ton, Bewegung, Bild und Licht – verweben, ergänzen und verstärken sich gegenseitig und versetzen das Publikum in die Fantasie der Ersteller:innen und Interpreter:innen.

TEAM

Komponistin/Projektleiterin (Musik, Video, Konzept) – Tam Thi Pham

Story – Goran Lazarevic

Choreografin – Teresa Hoffmann

Kostümbildnerin – Antonia Kate Ever

Projektmangerin – Thu Hang Nguyen

Darsteller:innen: Performance (Bernhard Fograscher), fünf Tänzer:innen (Hannah Scharrer, N.N.), drei Sänger:innen (Mai Linh, Nathaniel Ouzana, Lennart Meyer), eine Percussionistin (Lin Chen), zwei Spieler:in der traditionellen vietnamesischen; Instrumente (Nguyen Thanh Thuy und Stefan Östersjö)

Project description

Being in Germany made me, maybe paradoxically, more interested for the various traditions in Vietnam. Even before I moved to Europe, I have already started studying traditional singing and playing the Dan Bau and Erhu – used a lot in Vietnamese traditional music. But coming here, I have delved deeper and deeper into various facets of my cultural roots, finding it an immense source of inspiration and ever more appreciating the depth and the fragility of it. In 2019 I did my “Dark Alleys” piece for a performer and live electronics, where I reflected on the connection between the dead and the living, and on the role and meaning of ritual. In Vietnamese religious practice, we reflect on that and perform special rituals every month – with their special sounds, movements, objects and atmosphere. The more I researched and thought about these topics, the more fascinated I became. In our beliefs, both worlds – that of the living and that of the dead – support each other and work together to build a better future for all. Even after the piece was finished and performed several times, I couldn’t stop thinking about the richness of the stories and rituals I’ve (re)discovered. So I’ve decided to expand and incorporate it into a bigger, more comprehensive project – something that drew inspiration from the Hungry Ghost Festival.

Being in Germany made me, maybe paradoxically, more interested for the various traditions in Vietnam. Even before I moved to Europe, I have already started studying traditional singing and playing the Dan Bau and Erhu – used a lot in Vietnamese traditional music. But coming here, I have delved deeper and deeper into various facets of my cultural roots, finding it an immense source of inspiration and ever more appreciating the depth and the fragility of it. In 2019 I did my “Dark Alleys” piece for a performer and live electronics, where I reflected on the connection between the dead and the living, and on the role and meaning of ritual. In Vietnamese religious practice, we reflect on that and perform special rituals every month – with their special sounds, movements, objects and atmosphere. The more I researched and thought about these topics, the more fascinated I became. In our beliefs, both worlds – that of the living and that of the dead – support each other and work together to build a better future for all. Even after the piece was finished and performed several times, I couldn’t stop thinking about the richness of the stories and rituals I’ve (re)discovered. So I’ve decided to expand and incorporate it into a bigger, more comprehensive project – something that drew inspiration from the Hungry Ghost Festival. 

The origin story of the modern Ghost Festival, ultimately originated from ancient India, and is derived from the Mahayana scripture known as the Yulanpen or Ullambana Sutra. In it, the character of Maudgalyayana discovers that his deceased mother was reborn into the hungry ghost realm. Maudgalyayana tried to help her by giving her a bowl of rice, but as a hungry ghost, she was unable to eat the rice. Buddha then explains how one is able to assist one’s current parents and deceased parents in this life and in one’s past lives by willingly offering food and performing rituals. 

The richness and variety of activities practiced during the festival filled my imagination and paved the way for my multimedia dance theater piece. What better way to re-imagine its atmosphere and put a spotlight on some parts of it then through combining music, movement, sound, images and light?

In my project, I have decided to have the 4 part structure based on the distinct activities during the celebration of the festival.

  1. Opening the gates of Hell – for performer and live-electronics 

The performer is simultaneously the musician, albeit playing a rather strange instrument: the 2 shinais (bamboo swords) produce vibrations that are amplified through the use of contact microphones – these sounds are in turn heavily processed by the live-electronics musician sitting outside the stage. The interplay between the ritualistic movement, sound and lights opens the gates of Hell and invites the destitute ghosts to join our world.

  1. The Chant – for dancers, 3 voices, 2 traditional Vietnamese instruments and electronics

Each of the voices tells a different story and addresses the ghosts in their own, individual

manner – with reverence, hope or fear. Here I also drew my inspiration from the great famine of 1945, when millions of Vietnamese starved to death. But, as stated above, both the living and the dead work together to create a better future, so the main goal of chanting is to help and transform the hungry ghosts into benevolent spirits. The perspective is from the world of the living and our efforts to help the deceased in their journey and metamorphosis. The tonal basis of this part is deduced from the microtonal scales used in traditional music.

  1. Receiving the offerings – for dancers, 3 voices, 2 traditional Vietnamese instruments and electronics

Dancers, representing the ghosts, interact and dance with the paper-made offerings – reacting to the chants and prayers of the living. Opposite to the previous part, this is the perspective of the deceased, of the starving, the lost and the deranged.

  1. Closing the gates of Hell – for dancers, 2 traditional Vietnamese instruments and electronics

In a whirlwind of emotions, both the living and the dead feel regret, sadness, happiness, peace – many complex emotions, as some ghosts ascend, but other do not. The gates are closed, and the worlds are separate again. 

The transitions between the segments will be ushered by the percussion interludes. On the technical side, the dancers will be equipped with sensors that will enable them to influence the sound and the visuals, and the audio will be spatialized, representing the fluidity of the borders between our and the unseen world. All four layers present on stage (sound, movement, visuals and light) will weave together to complement and enhance one another, transporting the audience into the imagination of the creators and performers.

TEAM

Composer/Projectleader (Musik, Video, Konzept) – Tam Thi Pham

Story – Goran Lazarevic

Choreographer – Teresa Hoffmann

Costume design – Antonia Kate Ever

Project manager – Thu Hang Nguyen

Performance (Bernhard Fograscher), 5 dancers (Hannah Scharrer, N.N.), 3 singers (Mai Linh, Nathaniel Ouzana, Lennart Meyer), eine Percussionist (Lin Chen), 2 players der traditionellen vietnamesischen; Instrumente (Nguyen Thanh Thuy und Stefan Östersjö)